Hörbie beginnt Nachzudenken. Er hatte doch immer alle Folgen vom Kommisar Rex geschaut gemeinsam mit seinen Eltern. Der Ort des Grauens muss schnell hinter sich gebracht werden. Aber was soll er jetzt mit den vielen Informationen anfangen, dem Bürgermeister Gottlieb melden, was sich da in Eppbichl anbahnt? Und wie konnte so eine holde Schönheit wie die Resi mit dem Jäger unter einer Decke stecken? Unfassbar, sie hätte doch viel besser unter seine Decke gepasst. Die Idee mit der Mund-zu-Mund-Beatmung kommt Hörbie wieder in den Sinn. Die Resi ist doch viel zu viel Vollfrau, um mit einem miesen Schurken wie dem Jäger zu verkehren. Steht die schöne Resi etwa auf Bad Boys? Was macht gerade diese Bad Boys für so schöne Frauen so anziehend? Hörbie fehlt leider der schlechte Einfluss um ein richtiger Bad Boy zu werden. Immerhin wurde er von Mutter Gisela immer gut erzogen. Doch dieses Problem, wie er die Resi bekehren kann, muss er wohl auf einen anderen Tag verlegen. Wer weiß, ob ihn der Jäger nicht wieder holen kommt. In Hörbie steigt etwas Panik auf, er muss schnell weg. Aber irgendwie weiß er gerade gar nicht wo er eigentlich ist. In einer nach Benzin stinkenden Hütte im Nirgendwo. Es ist nicht Eppbichl und es ist nicht Reifnitz. Wo haben ihn die Verschwörer denn hingebracht? Hörbie versucht sich zu orientieren, doch hier war er noch nie. Eines wird ihm aber schnell bewusst, er muss weg und zwar so schnell wie möglich und so weit wie möglich. Der Fuchs leckt Hörbie immer noch über das Knie. Was ist mit dem Fuchs passiert, warum ist er so zutraulich?

Wenn der Jäger im Wald die Verfolgung aufnimmt könnte es eng für ihn werden, besonders wenn ihm noch der Fuchs hinterherläuft. Dem Jäger erklären, dass er den Fuchs nicht gekidnappt hat, wäre nicht so einfach. Hörbie liebt zwar den Wald und kann sich auch selbst durchschleusen, aber für den Jäger ist es vermutlich der Wald wo er sein Revier hat. Und einem Jäger in seinem eigenen Revier zu begegnen geht für das gejagte Wild selten gut aus. Hörbie entschließt sich weg zu laufen. Er ist zwar schon recht durstig, das letzte Bier ist schon viel zu lange her, aber er weiß eines er muss weg. Er läuft also los direkt entlang des Waldweges in der Hoffnung schnell wieder eine Zivilisation zu erblicken und dort um Hilfe zu fragen oder auch den Schnurl zu erreichen, dass er ihn mit dem Taxi holen kommt. Vielleicht kann er so auch dem liebestollen Fuchs entkommen.
Hörbie läuft und läuft. Er denkt nicht mehr an den Durst. Er versucht sich zu motivieren weiterzulaufen. Die Füße tun schon so weh, aber jetzt muss er da durch. Es hilft nichts. Er muss den Fuchs abhängen und so weit weg wie möglich kommen, ehe der Jäger die Verfolgung aufnehmen kann. Er muss jemanden von seinen Begegnungen und dem Komplott in Eppbichl erzählen. Es kann nicht sein, dass Eppbichl im Stickerregen untergeht nur weil der Jäger wild geworden ist und Amok pickt. Hörbie weiß, er muss jetzt stark bleiben und beginnt sich selbst zu motivieren. Ihm fällt nur der Ohrwurm ein, den er aus dem kleinen Supermarkt hatte ….
„Huuuuu laaaaa paaaluuuuu...“, hört er Andreas Gabalier singen. „Huuuuu laaaaa paaaluuuuu...“, hört sich Hörbie auf einmal selbst singen und läuft weiter. Gibt es keine besseren Wanderlieder? Es will ihm einfach kein passendes Lied einfallen. So sehr hat sich die Klingelschleife schon in sein armes Gehirn eingebrannt und zu lange ist es schon her, dass er seinen Durst stillen konnte. Ob der Andreas Gabalier ein guter Bierpartner in Eppbichl wäre. So uncharmant wirkt er ja gar nicht, wenn er im Fernsehen öfters redet. Hörbie schaut in der Lederhosn auch recht gut aus. Vielleicht könnte er mit dem Andi die Resi erobern. Wenn sie auf wilde Jungs steht, würde ihm das sicher helfen, wenn er mit dem Volks-Rock‘nRoller auf der Festwiese in Eppbichl erscheinen würde. Mit der Knickerbocker-Lederhose, seinem Pleamle-Hemd und den selbstgestrickten Stutzn, die ihm seine Mama geschenkt hat. „Huuuuu laaaaa paaaluuuuu...“, das wäre schön!

Allerdings ist für die Schönschwelgerei gerade keine Zeit, immerhin befindet sich Hörbie gerade auf der Flucht vor seinen Widersachern. Plötzlich packt ihn wieder die Angst. Wie weit weg kann der nächste Ort sein? Auf einmal hört Hörbie ein Geräusch, es hört sich so an als würde ein Wagen die Straße herunterkommen. Kann das etwa der Jäger sein, der liegt doch hoffentlich noch K.O. in der Waldhütte. Immerhin hat er ihm mit der Bratpfanne eines übergezogen. Doch wohin war die Resi verschwunden? Sie könnte den Jäger schon wieder reanimiert haben und mit ihrem Pfefferminz-Aroma könnte sie selbst Tote wachküssen.
Aus Angst es könnte der Jäger sein, versteckt sich Hörbie im Gebüsch und wartet bis der Wagen vor rollt. Scheinwerferlichter kommen immer näher. Hier im Wald, wer fährt da mit dem Wagen rein. Es kann doch nur der Jäger sein. Panisch versucht Hörbie mucksmäuschenstill zu bleiben, was gar nicht so einfach ist. Das „Huuuuu laaaaa paaaluuuuu...“ muss er sich jetzt ein wenig verkneifen und auch sein Magen darf sich nicht rühren. Aber er ist immer noch durstig und Hunger hätte er auch schon wieder. Es muss schon wieder sechs sein, normal hätte er um diese Zeit schon sein Abendbrot am Tisch. Warum hat er nur Eppbichl verlassen. Seine Eltern müssen in größten Sorgen sein. So lange war Hörbie noch nie weg von zu Hause. Ob sein Chef ihn abmahnt, weil er schon länger nicht mehr im Supermarkt war. Die letzten Tage waren so aufregend wie noch nie, aber sie passen gar nicht in Hörbies Leben. Wie konnte er nur auf die Idee kommen Eppbichl zu verlassen. Ja, er wollte Eppbichl retten vor dem Jäger und der Sticker-Attacke. Hätte er das nicht auch zu Hause geschafft. Der Pfarrer hätte sicher die Kirche verteidigt, der Wirt sein Gasthaus. Der Anton den Supermarkt. Schnurl hätte mit dem Taxi Wache schieben können und im Notfall den Jäger anfahren. Immerhin geht es darum Eppbichl zu retten. Hätte Hörbie vielleicht doch versuchen sollen die Hütte abzufackeln. Aber ohne Feuerzeug, das wäre schwer geworden und jetzt kann er nicht mehr zurück. Die ganze Flucht wäre umsonst gewesen.

Langsam kommt die Dämmerung in den Wald und der Wagen nähert sich immer noch. Hörbie versucht zu erkennen ob es sich um ein Jägerauto handeln könnte. Wobei er nicht weiß, ob der Jäger überhaupt ein Auto hat. Meist ist er zu Fuß unterwegs. Und auf einmal, die Scheinwerfer kommen näher. Sie sind gelb und funkeln wie zwei böse Sterne. In Hörbie steigt das Grauen auf. Es wird doch nicht der Jäger sein. Er versucht ruhig zu bleiben und beginnt tief Einzuatmen und tief Auszuatmen. Das hilft im Geschäft auch immer, wenn es am Samstag stressig wird. Vor allem wenn wieder alle Germ und Klopapier kaufen und Hörbie mit dem Nachschlichten nicht mehr nachkommt. Also: Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Der Wagen rollt langsam an, auf einmal wird ein blaues Licht sichtbar. Hörbie beginnt kurz zu hoffen. Vielleicht ist ja die Polizei auf dem Weg zu ihm, dann kann er den ganzen Vorfall gleich melden und sie können ihn nach Eppbichl zurückbringen. Oder die Feuerwehr hat sich wieder mal verirrt, wenn sie von der Übung heimfahren und die Nebenstraßen nutzen, dass sie die Polizei nicht aufhält. Hörbie ist schon am verrückt werden, so angespannt war er noch nie. Sein Herz schlägt wie wild, fast zerreißt es schon in seiner Brust. Wer oder was rollt auf ihn zu?

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